Freitag, 29. September 2017

[Blogtourbeitrag - Kulissenbau] Der Schwur der Schlange von Barbara Drucker

Kulissenbau

Es freut mich heute noch einmal Barbara Drucker zu einem kleinen Interview begrüßen zu dürfen. Unser heutiges Thema ist der Kulissenbau

Liebe Barbara, manche Leser fragen sich jetzt sicher, was hat Kulissenbau mit einem Buch zu tun?
Die Kulisse entscheidet darüber, wie die Handlung ablaufen kann. Natürlich kann man auch ein Kammerspiel schreiben, also die Leute in einen Salon oder ein anderes Zimmer sperren und geniale Dialoge führen lassen. Auch solche Szenen schreibe ich, weil ich Dialoge wirklich liebe. Aber wenn ein Roman handlungsorientiert ist, bringen die Schauplätze zusätzliche Abwechslung hinein und eröffnen ganz individuelle Möglichkeiten.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Schauplätze aus?
Ich denke da sehr wie im Film, ich will starke, eindrucksvolle Bilder. Wenn der Marchese mit Marconi aus Straßburg flieht, wäre es schade, die steilen Dächer nicht zu nutzen. Ich hole mir das Charakteristische aus einem Schauplatz heraus, etwa eine einzelne Weide oder die Gischt und den Lärm an einem Wasserfall. Eine klappernde Mühle, die glatten Wände in einem Kerker oder die Sitzmöbel in einem  Salon. Je mehr Sinne ein Schauplatz bedient, desto besser. Bei mir spielt der Schauplatz aber nie die Hauptrolle, sondern ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Elemente, die für die Handlung spannend werden oder Atmosphäre schaffen, und behandle die Kulisse wie eine große Requisite. Ich liebe übrigens den Einsatz von Licht, in meinen Romanen kommen meistens Fackeln und Kerzen vor.

Kannst du mir einige Schauplätze für Actionszenen in "Der Schwur der Schlange" nennen?
Die hohen Dächer habe ich ja schon angesprochen. Eine Szene spielt auf einer Festung und den Wehranlagen, ein Fluss spielt eine wichtige Rolle. Geheimgänge und Hintertreppen habe ich sehr gerne. Ich mag auch den harten Bruch zwischen Idylle und Gewalt oder Bedrohung. Wenn ich einen sogenannten locus amoenus, einen lieblichen Ort schreibe, wird es meistens gefährlich ;-)

Es sind ja ein paar außergewöhnliche Kampf- und Fluchtszenen in deinem Buch enthalten. Wie schaffst du es, diese Szenen so echt an den Leser zu bringen, dass es fast echt wirkt?
Ich gehe ganz, ganz dicht an die Figur heran und schreibe die Szene aus ihr heraus. Wenn der Marchese einen Kampf besteht oder verfolgt wird, dann stecke ich in ihm, sehe durch seine Augen und höre mit seinen Ohren. Die Sprache muss ganz knapp werden, weil er nicht viel Zeit zum Denken hat, sondern nur handeln kann. Wenn du als Autor auf eine Kampf- oder Verfolgungsszene von außen drauf schaust, hast du schon verloren. Und es steckt natürlich auch sehr viel Bearbeitung in solchen Passagen, da feile ich an jedem Wort und ganz besonders am Rhythmus. Das sind Stellen, die ich zehn- bis zwanzigmal unter die Lupe nehme.

Hast du wirklich alle Szenen selbst durchgeprobt und nachgestellt?
Das würde ich schon körperlich nicht schaffen. XD In Wahrheit sitze ich die ganze Zeit dabei am Schreibtisch und versetze mich an den Schauplatz und in die Figur. Aber Grundwissen ist unerlässlich. So lernte ich Florettfechten bis zur Turnierreifeprüfung und anschließend historisches Fechten mit dem Rapier. Auch einen Hofdegen, die bevorzugte Waffe des Marchese, hatte ich schon in der Hand und lernte einige Manöver. Messerkämpfe in Tanzfilmen, asiatische Kampfkunst und Bühnenkämpfe inspirieren mich für Bewegungsabläufe, in Filmen sauge ich gute Bilder auf. Meine Actionszenen sind stark choreografiert, wie im Film kommt es mir auf den Effekt an.

Wie gehst du jetzt ganz genau vor, wenn z.B. della Motta in einer Sackgasse in die Enge getrieben würde und er sich einen Fluchtweg durch 10-15 Soldaten kämpfen müsste?
Das ist schwer, weil er gegen so eine Übermacht chancenlos wäre. Ich kläre daher zunächst die Fragen nach dem Schauplatz und der Bewaffnung, denn er braucht einen Vorteil, der die zahlenmäßige Überlegenheit ausgleicht. Ich muss die Gegner irgendwie aufteilen, das könnte durch eine Stiege geschehen, sodass nicht alle gleichzeitig gegen ihn kämpfen können, oder durch räumliche Engstellen. Er kann besiegte Gegner auf andere werfen und dadurch mehrere blockieren. Oder ich gebe ihm Deckung, etwa indem er sich an der Seite des Pferdes herabhängen lässt. Oder er nimmt eine Geisel. Das Überraschungsmoment könnte ihn ebenfalls unterstützen. Aber wenn es unplausibel wird, lasse ich ihn den Kampf verlieren. In der Szene, wie du sie vorgibst, wird er höchstwahrscheinlich überwältigt und gefesselt abgeführt. Okay, ich könnte ihn noch an der Fassade hochklettern und übers Dach türmen lassen ;-)

Herzlichen Dank für das Interview.


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