Sonntag, 16. Juli 2017

Buchvorstellung einmal anders - 13. Das Tagebuch von Carl Wilckens

Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit Carl Wilckens, welcher mit heute zu einem Buch „13 – Das Tagebuch“ alle meine Fragen hoffentlich ;) beantworten wird.

Hallo, ich freue mich sehr, dass du heute für dein Buch antworten willst.

Bitte beschreibe doch das Buch aus deiner Sicht in max. 5 Sätzen.
Das Buch erzählt von der Kindheit und Jugend von Godric End und wie er sich zu einem gnadenlosen Killer entwickelt. Zudem enthält es den wichtigsten Gegenstand: Das Tagebuch. Während der Leser Ends und Walkers Geschichte erfährt, lernt er die Welt kennen. Ein Land inmitten einer industriellen Revolution, in der sich die Wunder des Fortschritts und der verborgenen Magie die Waage halten. Und über allem schwebt der Schatten es Untergangs.

Du hast doch einen sehr eigenwilligen Protagonisten für dein Buch auserkoren und auch das Thema Freiheitskampf hat einen sehr großen Platz darin. Warum ausgerechnet dieses Thema und den doch sehr eigenwilligen Protagonisten?
Natürlich haben mich andere Geschichten dazu inspiriert. Ich bin ein Fan vom Freiheitskampf, seit ich als Jugendlicher Half-Life 2 gespielt habe. Geschichten der Unterdrückung, in denen sich ein immer größerer Hass anstaut, bis ein Funke den Aufstand zündet, jagen mir einen Schauer über den Rücken. Der Hass, die Gewalt, das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können, die Menschen, die Seite an Seite kämpfen, die Bösen, die endlich bekommen, was sie verdienen ... brrr. Panem ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Die Filme vielleicht sogar noch mehr als die Bücher. Ich habe mich entschieden, das Thema in die Geschichte aufzunehmen, weil es zu der Zeit meiner fiktiven Welt passt. Ich orientiere mich am England des zwanzigsten Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde viel Kohle gefördert. Die Bergmänner mussten für einen Hungerslohn für die reichen Barone arbeiten. Die perfekte Grundlage für einen Aufstand.

Zu meinem Protagonisten inspirierte mich anfänglich Patrick Rothfuss mit seiner Königsmörderchronik. Kvothe ist ein anständiger Mensch, aber während seiner Kindheit als obdachloser Junge musste er, um zu überleben, manchmal auf recht brutale Maßnahmen zurückgreifen. Seine Taten als Kind prägen seinen Charakter als Erwachsener. Ich wollte einen Protagonisten, dessen Charakter von Dunkelheit, Grauen und Blut geprägt ist. Einen eiskalten Antihelden, der alles tun würde, um sein Ziel zu erreichen. Ich habe immer gehofft, dass der Dunkle Turm von Steven King so enden würde. Dass der Revolvermann seine Freunde erschießen muss, um den Turm zu erreichen. Und dass er es tut.

End als Symbolfigur des Freiheitskampfes passt nicht so ganz. Er ist ein Einzelgänger. Das Leid anderer berührt ihn nicht. Aber wer sonst als der Protagonist sollte der Freiheitskämpfer sein? Die Lösung lag auf der Hand: End entfachte den Bürgerkrieg aus eigenem Interesse. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch die Interessen aller anderen sein können.

Hast du eine Lieblingsstelle in deinem Buch, welche du uns unbedingt vorstellen möchtest?
Ja! Ich habe die Stelle, als End den Unterrumpf verlässt und zum ersten Mal seit Jahren das Sonnenlicht wiedersieht, am liebsten geschrieben:
„Das Sonnenlicht umflutete mich. Mir war, als stünde ich in einem reißenden Strom gleißend weißen Glücks. Es war warm. So wunderbar warm. Ich wankte. Stürzte beinahe zurück in den Treppengang. Ich tat einen Schritt nach vorn, und aus dem gleißenden Licht, das die Welt vor meinen Augen verschluckte, schälten sich Formen. Die Umrisse von Menschen. Von Masten und Schiffsaufbauen. Ich atmete tief ein, roch das Salz des Meeres und die Ferne. Leiser Wind kam auf, ließ die Haare meines Pelzmantels zittern und strich spielerisch durch die Strähnen meines langen, grauen Haares. Der zärtliche Willkommensgruß eines lang vermissten Freundes.“

Wie viel echter Carl steckt in dem Buch oder vielleicht sogar in dem einen oder anderen Protagonisten?
In Grodic End steckt nichts von meiner Persönlichkeit. Wäre wohl auch erschreckend. Vielleicht manifestiert sich in ihm der Wunsch nach Freiheit. Immerhin kann er tun, was er will, solange er jenen, die ihm im Weg stehen, überlegen ist.
William hingegen schon eher. Er ist Student einer ingenieurswissenschaftlichen Disziplin, genau wie ich, und mag Lesen und Schreiben. Er ist aber ein bisschen romantischer als ich und wird in den Folgebänden eine Entwicklung durchmachen, die ich mir nicht zutrauen würde.

Was ist dein persönliches Lieblingszitat aus deinem Buch?
Hattest du mal ein Lieblingslied, das du immer wieder gehört hast, bis es dir irgendwann nicht mehr gefiel? So ist es auch mit dem Lieblingszitaten. Man freut sich über einen gelungenen Satz oder Absatz und liest ihn so oft, bis man plötzlich denkt: Was habe ich denn da wieder für einen Wortsalat fabriziert? Aber ich will ja nicht so sein. Folgendes Zitat gefällt mir:
„Der Sänger sah Ends Blick, seine kalten Augen, in denen kein Zorn lag. Nur die Gewissheit, dass sein Peiniger zahlen würde, und er erschauderte. Sah der Mann die Gefahr nicht?“

Leser sind immer ein bisschen neugierig. Würdest du dich vielleicht noch in deinen eigenen Worten vorstellen?

Ich bin ein Träumer. Man kann mich unbesorgt mit meinen Gedanken alleine lassen. In meiner Jugend habe ich in meiner eigenen kleinen Welt aus Videospielen und Büchern gelebt. Das änderte sich erst, als ich von zu Hause auszog. Nun spiele ich Reallife. Anstatt einen virtuellen Charakter zu leveln, bilde ich meinen eigenen. Wenn ich nicht gerade für die Uni lerne, schreibe ich. Meist an meinem größten Projekt „Dreizehn“, aber auch Einträge für meinen Blog und hin und wieder Kurzgeschichten und Gedichte.

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